Die hohe Lebenserwartung der Nacktmulle

Im Gegensatz zu den meisten Säugetieren ist beim Nacktmull die Sterbewahrscheinlichkeit nicht vom Alter abhängig.

Trisha M Shears / Wikipedia


Die meisten Nagetiere sterben im fortgeschrittenen Lebensalter an einer Krebserkrankung – wenn sie nicht schon vorher gefressen oder von einem Parasit oder Hungersnot dahin gerafft wurden. Ganz anders ist das bei Nacktmullen: Bei ihnen nimmt das Risiko zu sterben verblüffender Weise im Alter nicht zu. Bei den kleinen Nagern sind offenbar einige Zellfunktionen, wie die Genreparatur, die Mitochondrienfunktion oder die Proteinstabilität erheblich besser ausgebildet.

So können Nacktmulle in Gefangenschaft über 30 Jahre alt werden, während Labormäuse selbst unter guten Bedingungen nach rund fünf Jahren sterben. Damit werden die Mulle fünfmal so alt, wie man anhand ihres Körpergewichts – normalerweise ein guter Indikator für das Höchstalter einer Spezies – erwarten würde.

Forscher werteten für diese Erkenntnisse die Daten von mehr als 3000 Nacktmullen aus, die sie in über 35 Jahre gesammelt hatten. Die Ergebnisse sind aktuell im Fachmagazin „eLife“ veröffentlicht (https://doi.org/10.7554/eLife.31157.001).

Nacktmulle leben in wüstenähnlichen Gegenden Ostafrikas in großen, unterirdischen Gemeinschaften mit kooperativer Sozialstruktur. In dieser halten sich größere und ältere Tiere („Soldaten“) an den Ausgängen des Baues auf. Diese bewachen sie zum Beispiel vor ihrem Hauptfeind, der Rötlichen Schnabelnasen-Natter. Fortpflanzen darf sich in einer Kolonie jeweils nur ein Weibchen, die „Königin“.

Der Nacktmull, so hoffen die Forscher, könnte in Zukunft als außergewöhnliches Tiermodel für die Erforschung der Biogerontologie herangezogen werden.

Red.