Gefahr für den Rotmilan

Ausbau der Windkraft muss naturverträglich sein

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Der Rotmilan zählt zu den häufigsten Kollisionsopfern an Windenergieanlagen. Für einen Rotmilan-freundlichen Ausbau der Windkraft ist die sorgsame Auswahl der Standorte und die räumliche Gestaltung im Umkreis der Anlagen sehr wichtig.

Neben vielfältigen Gefährdungsursachen wie Umweltgiften, der illegalen Jagd, vor allem in Durchzugsgebieten und Winterquartieren, Stromleitungen und Verkehrsverlusten, stellt die Windkraft vor dem Hintergrund des weiteren Ausbaus in Hessen ein besonderes Konfliktpotenzial dar. Hinweise auf tödliche Kollisionen von Rotmilanen mit Windenergieanlagen sind im Verhältnis zu der geringen Zahl an Meldungen und des relativ kleinen Vogelbestands unerwartet häufig. Projektleiter Maik Sommerhage betreibt Ursachenforschung und entwickelt für den NABU Leitlinien für einen verträglichen Ausbau der Windkraft in Hessen.

 

Umfeld der Anlagen hat Lockwirkung

Als Ursache für die fehlende Scheuchwirkung von Windkraftanlagen wird das attraktive Nahrungsangebot vermutet. Eine niedrige Pflanzendecke im Umfeld des Anlagenfußes bietet dem Rotmilan freie Sicht auf Mäuse und andere Kleinsäuger. Besonders groß ist die Anziehungskraft vor allem dann, wenn in mittlerer Entfernung um die Windanlage dicht bewachsene Felder die Beutejagd unmöglich machen. Im Rahmen des Rotmilan Projekts der NABU-Stiftung Hessisches Naturerbe wird ein Konzept für die Raumgestaltung in der Umgebung von Windkraftanlagen entwickelt.

 

Ziel ist es, den unmittelbaren Bereich um den Anlagenfuß so unattraktiv wie möglich zu gestalten und im weiteren Umfeld viele Standorte zur Beutejagd anzubieten, sodass der Rotmilan die Nähe zu den Rotoren meidet. Um Nutzungskonflikte im Vorfeld auszuschließen, sollte eine sorgsame Auswahl der Standorte das oberste Gebot sein. Ein Mindestabstand von 1000 Metern zum nächstgelegenen Horst senkt das Kollisionsrisiko während den Jagdflügen erheblich. Grundlage für den weiteren Ausbau der Windenergie müssen das geltende Recht und verbindliche projektbezogene Gutachten sein. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die naturräumlichen Lebensbedingungen von Arten wie beispielsweise dem Rotmilan durch den weiteren Ausbau der Windenergienutzung nachhaltig beeinträchtigt werden. Vor diesem Hintergrund fördern die ovag Energie AG und Bürgerwind Ulrichstein das Rotmilanprojekt seit Januar 2013.

 

Projektkulisse Vogelsberg

Im Vogelsberg erreicht der Rotmilan die höchsten Siedlungsdichten in Deutschland. Er ist zum einen das größte hessische EU-Vogelschutzgebiet mit einer Fläche von 63.671 Hektar, zum anderen der am dichtesten mit Windrädern bebaute Landkreis in Hessen. Vor diesem Hintergrund soll der weitere Ausbau der Windenergie mit einer möglichst wirkungsvollen Verbesserung der Lebensgrundlagen für betroffene Tierarten wie dem Rotmilan einhergehen.

 

Quelle: PM des NABU, Mai 2017