Vergiftete Eier: Aktuelles zum Fipronil-Skandal

Millionen von vergifteten Eiern sind in deutschen Supermärkten gelandet: Fragen und Antworten zum Eier-Skandal. Was ist das für ein Skandal?

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Millionen von vergifteten Eiern sind in den deutschen Lebensmitteleinzelhandel in allen Bundesländern gelangt. Die Eier sind mit einem Insektenvernichtungsmittel namens „Fipronil“ belastet, dass auch als Bienentöter gilt. Für Lebensmittelhändler, Eier-Höfe, Käufer von belasteten Eiern, den Herstellern und Händlern des Vernichtungsmittels und natürlich für die Hühner hat das Konsequenzen.

Sind belastete Eier noch im Umlauf?

Der Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen KAT, dem europaweit 2200 Legehennenbetriebe angehören, hat Entwarnung gegeben. „Das Ventil ist zu. Es gelangen keine belasteten Eier mehr frisch in den Handel“, hieß es vom KAT-Vorsitzenden Friedrich-Otto Ripke. Verbraucher könnten wieder unbesorgt Schaleneier deutscher Betriebe kaufen. Fast jedes Ei in deutschen Supermärkten kommt aus einem KAT-Betrieb.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) sieht das jedoch anders: „Ich kann keine komplette Entwarnung geben. Eine solche Situation ist erst dann klar, wenn wir wirklich ins letzte Eck geschaut haben“, sagte er dem Fernsehsender ZDF. Die Situation sei aber „ziemlich gut im Griff“.

Wichtig für Urlauber: Auch aus Frankreich und Großbritannien sind erste Fälle von verseuchten Eiern bekannt geworden. Die giftigen Eier sollen über Deutschland in diese Länder gefunden haben. Allerdings ist von nur wenigen Fällen die Rede.

Werden noch Gift-Eier verkauft?

Zumindest einige der großen Handelsketten hatten Eier zunächst komplett aus dem Sortiment genommen: Aldi Nord und Aldi Süd etwa. In einigen Aldi-Filialen werden inzwischen wieder Eier zum Verkauf angeboten. „Wir gehen davon aus, dass wir bis Mitte der Woche sukzessive in allen Regionen wieder Eier anbieten können. Dabei handelt es sich um Eier, die nachweislich frei von „Fipronil“ sind“, teilte die Pressestelle von Aldi-Süd mit. Rewe und Penny haben jene Eier mit der Landeskennung NL aussortiert. Auch Lidl listete Eier zeitweise aus.

Wer ganz sicher gehen will, kann sich Eier auch auf einem Hof in der Region kaufen. Dann ist eine Belastung so gut wie ausgeschlossen. In Wie das Ministerium für ländlichen Raum am Dienstag mitteilte, sind in Baden-Württemberg bislang keine heimischen Eier mit einer Belastung des Insektizids Fipronil aufgetaucht.

Wieso sind die Eier vergiftet?

Die betroffenen Betriebe haben offenbar mit einem Insektizid, also einem Insektenvernichtungsmittel, gearbeitet. Dessen Name: „Fipronil“. Soweit bekannt wurde es widerrechtlich einem Milbenbekämpfungsmittel namens „DEGA 16“ beigemischt, welches ein belgischer Händler in Umlauf gebracht haben soll. Die betroffenen Betriebe haben ihre Ställe offenbar mit DEGA 16 gereinigt. Insgesamt sollen 100 niederländische, vier deutsche und ein belgischer Betrieb das Mittel DEGA 16 zumindest gekauft haben. Die Verwendung von „Fipronil“ ist jedoch in Betrieben, die Lebensmittel erzeugen, verboten. Wie genau das Gift in die Eier gekommen ist, ist noch unklar. Möglich ist, dass durch Rückstände des Giftes im Stall das Hühnerfutter verseucht wurde.

Woher kommen die Eier?

Die Gift-Eier kommen hauptsächlich aus den Niederlanden. Dort sind hunderte Eier-Höfe inzwischen gesperrt. Betroffen waren aber auch Betriebe in Belgien und Deutschland. Ein niedersächsischer Hof etwa hat laut Medienberichten eine Selbstanzeige gestellt, nachdem der Skandal publik wurde. Auch dort wurde mit dem giftigen und verbotenen Reinigungsmittel gearbeitet. Eine belgische Firma wiederum gilt als Händler des giftigen Reinigungsmittels DEGA 16.

Wie erkenne ich die giftigen Eier?

Woher ein Ei genau kommt, lässt sich leicht an der aufgedruckten Nummer erkennen. Die ist in allen EU-Ländern Vorschrift. Die Ziffern zeigen Haltungsform, Herkunftsland, Bundesland, Betriebsnummer, Stallnummer an. Ein Ei mit der Nummer 0-DE-05-0008-1 kommt etwa aus ökologischer Erzeugung in Nordrhein-Westfalen. Alle Infos zu Haltungsform, Herkunftsland und Bundesland stehen im Web beim Landwirtschaftsministerium. Aus welchem Betrieb genau ein Ei kommt, ist für Verbraucher aber nur andernorts festzustellen. Der Verein für „Kontrollierte Alternative Tierhaltungsformen“ bietet eine Datenbank zu den Ei-Nummern an. Die Organisation betreibt die Website "was-steht-auf-dem-ei.de". Dort können zu vielen Ei-Nummern auch Betriebs- und Stallnummer abgefragt werden. Welche Nummern auf giftige Eier hindeuten, veröffentlicht das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Explizit für den Süden warnt mit einer Auswahl der Nummern das Bayerische Landesamt für Lebensmittelsicherheit.

Wie lauten die Nummern der belasteten Eier?

Mit „Fipronil“ belastete Eier, die den erlaubten Grenzwert überschreiten sind an folgenden Nummern erkenntlich: 0-NL-4310001, 0-NL-4352602,1-NL-4167902, 1-NL-4359801,1-NL-4385701, 1-NL-4331901,1-NL-4339301, 1-NL-4339912,2-NL-4332601, 2-NL-4332602 und 2-NL-4385702.

Eier, in denen Rückstände des Gifts stecken, haben eine von diesen Nummern: 0-NL-4385501, 0-NL-4392501,1-NL-4128604, 1-NL 4286001 und 2-NL-4015502.

Eier, bei denen die Herstellungsbetriebe selbst die Rückstände gemeldet haben, haben eine von folgende Nummern: 0-NL-4170101, 1-NL-4322401, 1-NL-4331901, 1-NL-4339301,1-NL-4385701 und 2-NL-4322402.

Belastete, in Deutschland hergestellte Eier können diese Nummern haben: 0-DE-0360521, 1-DE-0357731 und 1-DE-0358001.

Ist auch vergiftetes Hühnerfleisch im Handel?

Soweit bekannt nicht. Zwar ist auch das Hühnerfleisch der Legehennen belastet, welche die vergifteten Eier gelegt haben. Da jedoch Legehennen nicht für den Verzehr geschlachtet werden, besteht in dieser Hinsicht keine Gefahr. Allerdings können auch Produkte belastet sein, in denen Eier verarbeitet wurden, wie beispielsweise Mayonnaise. Salate, in denen mit „Fipronil“ belastete Eier enthalten sein sollen, wurden bereits aus dem Handel genommen.

Wer ist für all das verantwortlich?

Verantwortlich sind letztlich die Betriebe, die das mit dem Insektenvernichter „Fipronil“ versetzte Reinigungsmittel namens DEGA 16 genutzt haben sowie dessen Hersteller und Händler. Ein Eier-Hof in Niedersachsen hat laut einem Medienbericht sogar eine Selbstanzeige gestellt, weil er das mit dem Insektizid vermengte Mittel verwendet hatte. Gegen verschiedene, in den Skandal verwickelte Betriebe wird inwzischen auch ermittelt. Darunter sind nicht nur Eierhöfe, sondern auch eine Firma, die das verschnittene Reinigungsmittel in Umlauf gebracht hatte. Hintergrund des Skandals ist möglicherweise der illegale Versuch, die sogenannte Rote Vogelmilbe zu bekämpfen: Dies jedenfalls vermutet unter anderem die Verbraucherzentrale in Baden-Württemberg. Die Milbe befällt Hühner und saugt ihr Blut – und gegen sie wirkt „Fipronil“.

Warum hat niemand das Gift rechtzeitig bemerkt?

In der Europäischen Union wurden in den vergangenen zwanzig Jahren ein umfangreiches Netz aus Lebensmittellaboren sowie ein System aufgebaut, das vor vergifteten Lebensmitteln warnen soll. Regelmäßig werden dazu Tests an Lebensmitteln durchgeführt. Auf Bundesebene wurde der Skandal um die mit „Fipronil“ verseuchten Eier auch schon als Beweis für das Funktionieren des Warnsystems gewertet. Später stellte sich jedoch heraus: Die zuständige niederländische Behörde FASNK zögerte sehr lange, bis sie erste Fälle an andere EU-Länder meldete. Das Frühwarnsystem sei so umgangen worden, sagte dazu Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) dem Fernsehsender ZDF.

Ich habe verseuchte Eier gekauft. Was nun?

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg rät, die Eier zum Händler zurückzubringen. Dort können Sie Ersatz verlangen oder Ihr Geld zurückfordern. Denn die belasteten Eier werden ohnehin von den Einzelhändlern zurückgeholt. Natürlich können Sie die Eier auch einfach im Müll entsorgen.

Ich habe ein vergiftetes Ei gegessen! Was nun?

Laut dem Bundesamt für Risikobewertung (BfR) sind nur Kinder und Kleinkinder gesundheitlich gefährdet. Sie sollten die giftigen Eier nicht essen. Sofern sie doch verzehrt wurden, sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden, da das Gift „Fipronil“ auf das Nervensystem wirkt. Dies wurde zumindest in Tierversuchen und bei höheren Konzentrationen festgestellt. Kopfschmerzen und Erbrechen können beim Menschen die Folge von „Fipronil“ sein. Für Erwachsene besteht laut BfR aktuell allerdings kein Gesundheitsrisiko.

 

Quelle: Südwest Presse