Achtsamkeit macht Schule

Im Rahmen eines NRW-Landesmodellprojekts üben sich Lehrer und Schüler an Solinger Grundschulen erfolgreich in Selbstachtsamkeit und Achtsamkeit miteinander

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Zunehmend klagen Lehrer über Überforderung in der Ausübung ihres Berufs. Wie eine Reihe von Studien zeigt, können speziell für Lehrer konzipierte Achtsamkeitsprogramme sich positiv auf die körperliche und psychische Gesundheit der Betroffenen auswirken und zu einer erhöhten Stressresilienz, ausgeglichener Stimmung, normalen Blutdruckwerten und einer Reduktion von „Burnout"-Symptomen beitragen. Diese Entwicklung wirkt sich letztendlich positiv auf die Beziehung zu den Kollegen und den Umgang mit den Kindern aus. Diese Erkenntnisse nahmen Wissenschaftler des Lehrstuhls für Naturheilkunde und Integrative Medizin an der Universität Duisburg-Essen zum Anlass, ein Pilotprojekt in Kooperation mit der Stadt Solingen zu initiieren, das unter dem Titel „Gesundheit, Integration und Konzentration – Achtsamkeit in Grundschulen (GIK)" lehrerspezifische Achtsamkeitsangebote an 22 Solinger Grundschulen untersuchen sollte.

Das Grundkonzept des Projekts bestand daraus, interessierte Schulleiter und Lehrer an den teilnehmenden Grundschulen im Rahmen adaptierter, schulinterner MBSR-Kurse in ausgewählten Achtsamkeitsmethoden zu schulen. Im Zeitraum zwischen Mai 2016 und Dezember 2017 wurden 18 zwanzigstündige Achtsamkeitskurse über mehrere Wochen mit anfangs 324, zum Projektende schließlich 275 Teilnehmern durchgeführt. Die erlernten Maßnahmen dienten der Stärkung der Selbstkompetenz aller Teilnehmer sowohl auf gesundheitlicher als auch beziehungsrelevanter Ebene. Im nächsten Schritt trafen die Lehrer gemeinsam mit dem Anleitungsteam eine Auswahl an Achtsamkeitsübungen und entwickelten auf der Basis der erlernten Kenntnisse eigenständig ein achtsamkeitsbasiertes Interventionsprogramm, das in den Unterricht integriert und mit den Kindern umgesetzt wurde. Der hier anvisierte Aspekt der Beziehungsgestaltung zwischen den Lehrer im Rahmen des Kollegiums sowie organisationale Entwicklungsaspekte wurden im Rahmen dieses Modellprojekts erstmalig untersucht.

Die qualitativen Ergebnisse des Projekts wurden auf der Grundlage von acht halboffenen Interviews mit interessierten Schulleitern sowie 18 Gruppengesprächen mit jeweils ca. 10 Lehrern zusammengefasst. Unter anderem berichteten die Lehrer von einem bewussteren Umgang mit Stressspitzen, z.B. durch die Durchführung eines Mini-Body-Scans, dem Erkennen negativer Gedanken und Gefühlen und der Fähigkeit sich von diesen zu lösen, einer bewussteren Kommunikation untereinander und Gespräche zu deren Gestaltung im Kollegium sowie dem Gefühl, den Kindern zugewandt und ihnen gegenüber fürsorglicher und weniger fordernd bzw. offener für ihre Bedürfnisse zu sein.

Daniela Hacke M.A., Carstens-Stiftung

Altner N, Erlinghagen M, Körber D, Cramer H, Dobos G. Achsamkeit in den Grundschulen einer ganzen Stadt fördern – ein NRW-Landesmodellprojekt. Gr Interakt Org 2018; epub ahead of print