Der Quarkwickel als differentialdiagnostisches Kriterium

Interview mit Dr. med. Michael Elies, seit 1986 niedergelassener Facharzt für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren, Akupunktur und Homöopathie

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Während weite Teile der Bevölkerung Homöopathie sehr gerne in Anspruch nehmen, steht die Wissenschaft der Homöopathie tendenziell skeptisch gegenüber. Halten Sie Homöopathie-Forschung für sinnvoll?

Elies: Ja. Schon der Begründer der Homöopathie, Samuel Hahnemann, war Zeit seines Lebens forschend unterwegs, das sollte jeder folgenden Generation ein Ansporn sein!

Schon seit mehreren Tagen fühlen Sie sich schlapp. Sie spüren, ein bisschen fehlt die Energie. Was tun Sie?

Elies: Nach der Ursache suchen.

Die deutsche Forschungslandschaft Medizin: Was ist verbesserungswürdig?

Elies: Die Fragen "Wer betreibt Forschung und mit welcher Motivation?" geben schon vielsagende Antworten. Und auf die Komplementärmedizin bezogen: Warum ist bei einem überwältigenden Wunsch der Bevölkerung nach Naturheilkunde und Homöopathie die Carstens-Stiftung, also eine private Institution, die mit Abstand größte Förderorganisation in Deutschland?

Welche drei Attribute beschreiben das optimale Arzt-Patienten-Verhältnis?

Elies: Ernsthaft, empathisch, vertrauensvoll.

Omas bestes Hausmittel war …?

Elies: Der Quarkwickel, so universell einsetzbar (und bei akuten Halsentzündungen sogar ein differentialdiagnostisches Kriterium: wird er, speziell von Kindern, nicht toleriert, ist das nach meiner Erfahrung ein Leitsymptom für Belladonna).

Evidenzbasierte Medizin mit ihrer Forderung nach randomisierten, kontrollierten, doppelblinden Studien und viele Verfahren der Komplementärmedizin stehen ja sozusagen auf dem Kriegsfuß. Haben Sie einen Lösungsvorschlag?

Elies: Miteinander reden, mehr Kreativität (auf beiden Seiten).

Kennen Sie eine humorige Anekdote aus dem Ärztestand oder der Medizinwelt?

Elies: Eine Insider-Anekdote (nur für Hessen verständlich): "Zum Glück ist es nicht die Alsfelder Krankheit. Da vergißt man ja alles."

Sind Sie Mitglied von Natur und Medizin und wenn ja, warum?

Elies: Na klar, nicht zuletzt wegen der tollen Selbsthilfemaßnahmen, die ich in den Jahrzehnten der Mitgliedschaft von anderen Mitgliedern bekommen habe und zum Wohl meiner Patienten in der eigenen Praxis weitergeben kann.

Lieber Herr Dr. Elies, vielen Dank für das Interview.

Ingo Munz, Carstens Stiftung