Diagnostik und Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Der Nutzen von randomisierten Studien für Hochbetagte.

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Privatdozent Dr. Harald Rittger, Chefarzt der Klinik für Herz- und Lungenerkrankungen am Klinikum Fürth, beschäftigt sich damit, was speziell die interventionelle Kardiologie für Hochbetagte leisten kann. Die Anzahl über 65-jähriger Menschen in den Industriestaaten wird in den nächsten 30 Jahren um 25-35 % steigen. Weil Herz-Kreislauf-Erkrankungen naturgemäß im Alter häufiger auftreten, wird ihre Inzidenz entsprechend auch insgesamt zunehmen. „Das ist eine große Herausforderung, die da auf uns Mediziner zukommt. Speziell bei hochbetagten Menschen müssen wir uns die Fragen stellen: Wem lassen wir wie viel Therapie zukommen aus medizinischen, ethischen und am Ende auch aus ökonomischen Gründen?“, sagt Rittger. Bisherige evidenzbasierte Studien zur Diagnostik und Therapie von bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen wurden bisher allerdings vornehmlich an jüngeren Probandinnen und Probanden durchgeführt – und deren Ausgangssituation ist nicht vergleichbar mit Hochbetagten.

„Bei Patientinnen und Patienten über 80 Jahre treten verschiedene Faktoren auf, die es bei jüngeren in der Form noch nicht gibt: Komorbidität und damit einhergehend Polypharmazie, außerdem altersbedingte Gebrechlichkeit und die Komplikationsrate sind höher“, so Harald Rittger. Gleichwohl sei der Benefit durch interventionelle, also mit minimalinvasiven Eingriffen verbundene, Kardiologie bei Hochbetagten effektiver als bei jüngeren Menschen – das zeige sich durch eine eindeutige Senkung der Mortalitätsrate in Krankenhäusern. Bei jüngeren Patientengruppen ist das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, wesentlich geringer.

„Wir brauchen randomisierte Studien für alte, gebrechliche und komorbide Patienten“, fordert Rittger. „Sicherlich ist das eine große Herausforderung, denn über 80-Jährige unterscheiden sich in ihrer persönlichen Situation sehr stark voneinander, was etwa ihre Komorbidität und Gebrechlichkeit angeht.“ Wichtig wäre also ein Studiendesign, das diese großen Unterschiede berücksichtigt, Patientenfälle vergleichbar macht und damit eine maßgeschneiderte Diagnostik oder Therapie für jeden Hochbetagten erlaubt.

Deutsche Gesellschaft für Geriatrie DGG