Die meisten Kinder leiden regelmäßig an Kopfschmerzen

Häufig wird dann zu einem Schmerzmittel gegriffen, anstatt einen Arzt aufzusuchen

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Eine in der Zeitschrift der internationalen Kopfschmerzgesellschaft publizierte Erhebung, in der deutsche Kinder und Jugendliche befragt wurden, ergab, dass mehr als zwei Drittel von ihnen regelmäßig Kopfschmerzen haben. Bei den Oberschülern lag der Anteil sogar bei fast 80%.

Befragt wurden in der vorliegenden Erhebung insgesamt 5.419 Schülerinnen und Schüler zwischen März 2015 und März 2016, die in Dresden eine Grund- oder weiterführende Schule besuchten. Von ihnen beantworteten 2.706 den Fragebogen und gaben ihn zur Auswertung ab. Erhoben wurde, wie oft bei Kindern und Jugendlichen in den vergangenen drei Monaten Kopfschmerzen auftraten, in welcher Stärke und welche Maßnahmen ergriffen wurden – und das Ergebnis rüttelt auf: Nur knapp 32% der Befragten gaben an, gar nicht unter Kopfschmerzen zu leiden, fast 37% hatten einmal pro Monat Kopfschmerzen, fast 32% sogar mehr als zweimal im Monat. Diese letztgenannte Gruppe wurde noch weiter untersucht. 55% hatten an 2-5 Tagen pro Monat Kopfschmerzen, 27% an 5-10 Tagen. 7% der Befragten in der Gruppe, die mehr als zweimal im Monat Kopfschmerzen hat, gab sogar an, an mehr als 15 Tagen pro Monat unter Kopfschmerzen zu leiden.

Insgesamt gaben 624 Kinder und Jugendliche an, Schmerzmedikamente oder homöopathische Mittel gegen Schmerzen einzunehmen, bei akuten Kopfschmerzattacken waren die am häufigsten verwendeten Mittel Ibuprofen (49%) und Paracetamol (32%). In der Gruppe, die nur einmal im Monat unter Kopfschmerzen litt, nahm knapp ein Fünftel Schmerzmittel ein, in der Gruppe derer, die mehr als zweimal im Monat von Kopfschmerzen gequält wurden, gab fast die Hälfte an, regelmäßig Schmerzmittel einzunehmen. Auffällig war dabei, dass nahezu alle Kinder, die nur einmal im Monat Kopfschmerzen aufwiesen, und etwa 80% derjenigen, die mehr als zweimal im Monat Kopfschmerzen hatten, keinen Arzt aufgesucht hatten.

Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), sieht hier eine Fehlentwicklung. „Die Werbung der Schmerzmittelhersteller suggeriert, dass jeder seine Kopfschmerzen selbst therapieren kann und man keine Diagnose vom Arzt benötigt. Das ist sicher falsch, eine Migräne wird anders behandelt als ein Clusterkopfschmerz.“ Auch warnt er vor einer unbedachten Schmerzmitteleinnahme, da Kopfschmerzmedikamente, wenn sie häufig eingenommen werden, ihrerseits Kopfschmerzen verursachen und verstärken können. „Im Kindesalter wird oft schon der Grundstein für eine laxe Haltung gegenüber Schmerzmitteln gelegt, die dann in späteren Lebensphasen zum Schmerzmittelübergebrauch führen kann.“

Wie Prof. Dr. Ulrike Schara, Essen, Präsidentin der Gesellschaft für Neuropädiatrie, erklärt, weise der Anstieg der Kopfschmerzrate bei Kindern in den letzten Jahren darauf hin, dass eher keine genetischen Faktoren verantwortlich zu machen sind: „Neben Alkohol, Koffein, Rauchen und Bewegungsarmut gelten vor allen Schulstress und emotionaler Stress (z. B. durch Familienkonflikte) als häufige Kopfschmerzursachen. An diesen Punkten muss eine gesamtgesellschaftliche Präventionsstrategie ansetzen.“

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)

Nieswand V, Richter M, Berner R, von der Hagen M, Klimova A, Roeder I, Koch T, Sabatowski R, Gossrau G. The prevalence of headache in German pupils of different ages and school types. Cephalalgia. 2019 Jul;39(8):1030-1040. doi: 10.1177/0333102419837156