Greifen leistungsorientierte Menschen öfter zu Medikamenten?

Wissenschaftler untersuchten 117 Migränepatienten, ihren Leistungswillen und die Schmerzmitteleinnahme.

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Wer häufig Migräne hat und trotzdem beruflich viel leistet, wird oft gefragt, ob man dafür besonders viele Medikamente nehmen muss – Schmerzmittel zur Arbeitsförderung? Diese Frage stellten nun auch Wissenschaftler und untersuchten dazu Migränepatienten genauer. Nahmen Betroffene, die viel beruflich und im Alltag leisten wollten, mehr Medikamente zur Linderung akuter Migräne? Damit würden sich solche Menschen auch stärker dem Risiko des Kopfschmerzes durch Medikamentenübergebrauch (kurz MÜK) aussetzen.

117 Patienten mit Migräne (60 episodisch, 57 chronisch) nahmen an der Untersuchung teil. An ihrem ersten Termin im Kopfschmerzzentrum wurde mit einem Fragebogen zur Leistungsmotivation ermittelt, wie wichtig es den Teilnehmern war, viel zu leisten. Außerdem gaben die Patienten an, wie viele Kopfschmerzmittel sie zur akuten Behandlung einnahmen.

Dabei zeigte sich, dass Patienten mit niedriger oder hoher Leistungsmotivation nicht unterschiedlich viele Akutmedikamente nahmen. Verglichen wurden dabei die behandelten Tage pro Monat: Menschen mit eher niedriger Leistungsmotivation nahmen im Mittel an 10,8 Tagen Akutmedikamente ein, Menschen mit hoher Motivation an 10,9 Tagen pro Monat.

Schließlich ermittelten die Forscher die Zahl der Patienten mit MÜK, also Kopfschmerz infolge zu häufiger Medikamenteneinnahme. Auch hier waren die Unterschiede nicht ausreichend groß, um klar motivierte und weniger motivierte Menschen zu trennen: 37,9 % der weniger motivierten Menschen litten unter MÜK, sowie 23,7 % der hochmotivierten Menschen. Im Anschluss an diesen Termin wurde nach drei und sechs Monaten nachgefragt, ob sich die Zahl der behandelten Kopfschmerztage reduziert hatte. Auch in diesem Punkt gab es keinen Unterschied zwischen Menschen mit hoher und niedriger Leistungsmotivation.

Die Untersuchung beantwortete damit die Frage klar mit einem Nein: Menschen, die beruflich oder im Alltag viel leisten und leisten wollen, nehmen nicht mehr Schmerzmittel ein. Der Leistungswille steht auch nicht mit Medikamentenübergebrauch und dadurch verursachten Kopfschmerz (MÜK) in Zusammenhang. Dies deckt sich mit der Wahrnehmung von Migränepatienten: Schmerzmittel nimmt man, weil man zu starke Schmerzen hat, selbst wenn man danach einfach nur mal Nichts tun möchte.

DeutschesGesundheitsPortal.de

Referenzen: Sorgenfrei V, Kropp P, Straube A, Ruscheweyh R. High Achievement Motivation is Not Related to Increased Use of Acute Headache Medication in Migraine: A Cross-sectional Observational Cohort Study. Headache J Head Face Pain. October 2018. doi:10.1111/head.13431.

Original Titel: High Achievement Motivation is Not Related to Increased Use of Acute Headache Medication in Migraine: A Cross?sectional Observational Cohort Study