Häufige Fehldiagnosen bei Nagelerkrankungen

In einer Studie in der Fachzeitschrift „Aktuelle Dermatologie“ erwies sich die Erstdiagnose in jedem zweiten Fall nach einer feingeweblichen Untersuchung einer Nagelprobe als nicht korrekt

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Die richtige Diagnose bei Nagelerkrankungen zu stellen, ist nicht einfach, weiß Privatdozentin Dr. Cornelia Müller von der Klinik für Dermatologie der Universitätskliniken des Saarlandes in Homburg. „Ärzte, die sich in ihrer Diagnose nicht sicher sind, lassen Nagelproben ihrer Patienten daher mitunter im Labor von einem Experten untersuchen. Nicht selten zeigt sich unter dem Mikroskop, dass eine völlig andere Erkrankung vorliegt, als der medizinische Kollege vermutet hatte.“

Im Rahmen einer Studie hat die Dermatologin gemeinsam mit Kollegen die Erstdiagnose einer Nagelveränderung oder -erkrankung mit den Befunden der nachfolgenden Gewebeuntersuchung verglichen, die am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) durchgeführt wurden.

Der Vergleich der 639 Verdachtsdiagnosen mit den Ergebnissen der feingeweblichen Untersuchung ergab: In 346 Fällen, das sind rund 54 %, musste die Diagnose revidiert werden. Besonders häufig irrten die Ärzte beim Pilzbefall des Nagels, von Dermatologen Onychomykose genannt. Sie war von den behandelnden Ärzten bei 62 % der Patienten vermutet worden. Nach der Untersuchung sank der Anteil auf etwa 22 %. Die Experten hingegen diagnostizierten am häufigsten eine Onychodystrophie. Dabei handelt es sich um eine Wachstums- oder Ernährungsstörung des Nagels, die gelegentlich nach Pilzinfektionen auftritt, häufig jedoch andere Ursachen hat. Bei Fußballspielern kann sie nach wiederholten kleinen Verletzungen der Fußnägel auftreten.

Besondere Vorsicht ist bei ungewöhnlichen Verfärbungen der Nägel geboten. Vor allem wenn die Pigmentierungen unregelmäßig sind und keine Verletzungen vorausgegangen sind. Die Ärzte wissen um die Gefahr und daher muss im Zweifel biopsiert werden: Der Verdacht auf ein Nagelmelanom war daher in 72 Fällen der Grund für eine Abklärung am UKS. In immerhin 13 von 72 Fällen lag tatsächlich ein bösartiger Hauttumor vor.

Ein wertvolles Nebenkriterium zur Erkennung des malignen Nagelmelanoms ist laut PD Dr. Müller auch das Alter der Patienten. Nagelmelanome treten meistens bei Patienten über 60 Jahren auf. Bei jüngeren Patienten sind die Pigmenttumore eher gutartig (Naevi), bei Kindern unter 14 Jahren kommt das akrale Melanom so gut wie nicht vor. Eine Garantie gibt es allerdings nicht. In der Studie war der jüngste Patient mit einem Melanom 30 Jahre alt. PD Dr. Müller rät daher auch schon bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Zweifel zur feingeweblichen Untersuchung.

FZMedNews, Thieme Verlag

A. Schirra, S. Wagenpfeil, T. Vogt, C. S. L. Müller: Retrospektive monozentrische 8-Jahres-Analyse von Nagelbiopsien zur Korrelation klinischer und histologischer Daten.
Aktuelle Dermatologie 2018; 44 (7); S. 316–324