Hat das Herzmedikament Digitalis ausgedient? Nürnberger Herztage hinterfragen Therapiekonzepte

Wo steht die Herzmedizin heute? Wie können Herzerkrankungen am besten behandelt werden? Zu den 8. Nürnberger Herz-Tagen kamen rund 600 Kardiologen. Experten referierten zu kritischen Fragen ihres Fachgebiets. Hochaktuell ist zum Bespiel die Diskussion um das älteste Medikament, mit dem die Herzschwäche behandelt wird: Digitalis.

Roter Fingerhut © tsach-Fotolia


Die bundesweite Studie DIGIT-HF überprüft die Wirksamkeit der Digitalistherapie  

Hochaktuell ist die Diskussion um das älteste Medikament, mit dem die Herzschwäche behandelt wird: Digitalis, das ursprünglich aus dem Fingerhut gewonnen wurde. Jahrzehntelang setzt man darauf, dass es die Kraft des Herzmuskels stärkt, indem es die Aufnahme von Calcium und Natrium in die Herzmuskelzelle beeinflusst. „Seit Jahrzehnten sind Digitalispräparate für einen Teil der Patienten mit Herzschwäche sehr wichtige Medikamente, vor allem weil sie bei Nierenversagen gegeben werden können“, sagt Professor Pauschinger. „In den letzten Jahren sind sie wegen angeblich mangelnder Wirksamkeit und zusätzlicher Nebenwirkungen, die man in Studien gefunden hat, in Verruf geraten.“ Tatsache ist, dass es nur wenig wissenschaftlich gesicherte Ergebnisse zum Einsatz von Digitalis gibt. Seit August 2015 soll eine deutschlandweite klinische Studie (DIGIT-HF) mit 2.200 Teilnehmern, an der auch die Kardiologie des Klinikums Nürnberg beteiligt ist, für Klarheit sorgen. Die Studie untersucht, ob der Wirkstoff Digitoxin bei einer schweren Herzschwäche das Leben verlängern und die Krankenhausbehandlung reduzieren kann. Bei den Nürnberger Herz-Tagen wird der Studienleiter Professor Dr. Johann Bauersachs, Medizinische Hochschule Hannover, eine Standortbestimmung vornehmen: „Ist die Digitalis-Therapie out?“.

Besser mit der Herzschwäche leben - Nürnberger CardioNet NORIS hilft Patienten


Herzschwäche ist in Deutschland eine der häufigsten Todesursachen. Jedes Jahr sterben fast 50.000 Menschen daran; die Zahl der Erkrankungen hat aufgrund des gestiegenen Lebensalters zugenommen. Rund 500.000 Patienten werden laut Deutschem Herzbericht jedes Jahr in Deutschland stationär wegen einer Herzschwäche behandelt. „Neben den Fortschritten bei der medikamentösen Behandlung brauchen wir vor allem gute Versorgungsstrukturen, um diesen Menschen in der Klinik und zu Hause helfen zu können“, so Professor Pauschinger. In Nürnberg wurde deshalb das CardioNet Noris vom Klinikum Nürnberg und dem Nürnberger Gesundheitsnetz Qualität & Effizienz als eine Initiative der Gesundheitsregion Bayern gegründet. Klinikärzte und niedergelassene Ärzte engagieren sich für rasche Hilfe im Notfall, bessere Information und Lebensqualität Zum Angebot des CardioNets gehören u.a. Ernährungsberatung, Sportgruppen und Informationsabende. 

 
Weitere Informationen:
http://www.nuernberger-herztage.de/ - Programm der 8. Nürnberger Herztage
http://www.klinikum-nuernberg.de/DE/ueber_uns/Fachabteilungen_KN/kliniken/medizinische Klinik 8, Schwerpunkt Kardiologie, im Klinikum Nürnberg, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen
Privatuniversität http://www.digit-hf-de - Studie zur Wirksamkeit von Digitalis

(idw) Bernd Siegler Unternehmenskommunikation Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Standort Nürnberg