Kinder benötigen nach Mandel-OP oft starke Schmerzmittel

Mandeloperationen gehören zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen bei Kindern und sind für sie mit starken postoperativen Schmerzen verbunden

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Eine Studie in der Fachzeitschrift „LRO Laryngo-Rhino-Otologie“ zeigt, dass Eltern den Schmerzmittelbedarf ihrer Kinder oft unterschätzen. Ein zusätzlicher Fragebogen kann ihnen helfen, ihre Einschätzung zu objektivieren, um die Schmerztherapie für ihre Kinder nach der Operation zu verbessern.

Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 100.000 Kindern die Mandeln entfernt. Für Hals-Nasen-Ohrenärzte ist es ein kurzer Routineeingriff, doch die jungen Patienten leiden häufig über mehrere Tage unter heftigen Schmerzen. Da kleine Kinder ihre Schmerzen selten mit Worten beschreiben können, sind Ärzte und Pflegekräfte auf indirekte Hinweise angewiesen. Mit der „Kindlichen Unbehagens- und Schmerzskala“ (KUSS) können Mediziner gut abschätzen, ob die Kinder stärkere Schmerzmittel benötigen. Bei älteren Kindern kommt häufig die „Faces Pain Scale – Revised“ (FPS-R) zum Einsatz. Die Kinder tippen dabei auf eins von sechs Gesichtern, um ihre Schmerzen einzustufen.

Damit Eltern die postoperativen Schmerzen ihrer Kinder besser einschätzen können, gibt es zudem die Skala „Parents’ Postoperative Pain Measure (PPPM). Diese fragt nach Veränderungen zum sonst gewohnten Verhalten der Kinder sowie nonverbalen Hinweisen auf Schmerzen. Die Eltern beantworten 15 darauf abzielende ja-/nein-Fragen. Treffen mehr als sechs von 15 Punkte zu, benötigen die Kinder eventuell ein stärkeres Schmerzmittel.

Der in Kanada entwickelte Fragebogen PPPM wird bisher in Deutschland kaum angewendet, berichtet Dr. Philipp Gude. Der geschäftsführende Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Katholischen Klinikum Bochum hat gemeinsam mit Kollegen untersucht, ob die Befragung der Eltern nach PPPM in Kombination mit den beiden gängigen Skalen die postoperative Schmerztherapie verbessern kann. Im Rahmen der Studie wurden die Kinder im Alter zwischen zwei und zwölf Jahren nach der Mandeloperation daher dreimal täglich von einem Schmerzdienst besucht, der die Schmerzintensität altersabhängig nach KUSS oder FPS-R und PPPM erhob.

In der Folge entschieden die Ärzte sich bei 212 von 854 Visiten für den Einsatz von stärkeren Schmerzmitteln. In 121 Fällen hatten die Angaben der Eltern im PPPM-Fragebogen den Ausschlag gegeben, obwohl die Eltern zuvor der Ansicht waren, dass ihre Kinder nicht unter starken Schmerzen litten. Auch die parallel erhobenen Werte nach KUSS oder FPS-R hatten keinen zusätzlichen Schmerzmittelbedarf angezeigt. Die Ergebnisse zeigten, dass viele Eltern die Schmerzen ihrer Kinder nach einer Mandeloperation ohne den Fragebogen oft unterschätzten.

FZMedNews, Thieme Verlag

P. Gude et al.: Analgetikabedarf bei Kindern im Alter zwischen 2 und 12 Jahren nach Tonsillenoperationen. LRO Laryngo-Rhino-Otologie 2018; 97 (7); S. 465–473