Misteltherapie bei Lungenkrebs

Deutsche Anthroposophen weisen auf die Vorteile einer Misteltherapie bei Lungenkrebs hin.

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Die Behandlung mit Mistelpräparaten ist eine bekannte alternative unterstützende Therapie bei Krebspatienten. Inzwischen gibt es verschiedene Studien zu der Wirkung und den Inhaltsstoffen der Mistel. Besonders interessant für Forscher sind die in Misteln vorkommenden Lektine und Viscotoxine. Lektine sind zuckerhaltige Eiweißstoffe, die an Strukturen auf Zellen binden können und dort bestimmte Reaktionen hervorrufen. Die Lektine der Mistel haben zellzerstörende Eigenschaften. Ob sie aber an Tumorzellen binden und diese zerstören können, hängt sehr stark von der Beschaffenheit der Krebszellen ab. Die Viscotoxine sind Giftstoffe der Mistel, die eine stimulierende Wirkung auf bestimmte Immunzellen haben können. Die Wirkung von Mistellektinen und Viscotoxinen wurde bisher gezielt in Laborversuchen an Zellen und Tieren untersucht. Ob die Stoffe als Medikamente im menschlichen Körper genauso wirken, ist bisher unklar.

Studien zeigen Wirkung auf Lebensqualität

Untersuchungen zur Wirkung von Injektionen mit Mistelpräparaten konnten bisher vor allem Hinweise auf eine Verbesserung der Lebensqualität der Patienten finden. Wissenschaftliche Untersuchungen berichteten, dass Patienten die Chemotherapie besser vertrugen, es seltener zu Übelkeit kam und Fatigue gelindert wurde. Auch von einem besseren emotionalen Wohlbefinden wird berichtet.

Forscher beschreiben möglichem Zusammenhang zur Überlebensdauer

Eine Wirksamkeit gegen die Krebszellen direkt oder ein Einfluss auf das Tumorwachstum konnte bisher aber nicht belegt werden. Eine aktuelle Untersuchung aus Deutschland fand aber in einer Beobachtungsstudie einen statistischen möglichen Zusammenhang zwischen der Kombination von Chemotherapie und Mistelpräparaten und dem Überleben von Patienten mit metastasiertem nicht-kleinzelligen Lungenkrebs. Für die Untersuchung werteten die Wissenschaftler Daten von 158 Patienten mit metastasiertem nicht-kleinzelligen Lungenkrebs aus, die im Rahmen des Netzwerks Onkologie behandelt wurden.

Sie beobachteten die Patienten, ohne die Behandlung gezielt vorzugeben. Eingeschlossen wurden nur Patienten im Tumorstadium IV, die mit einer konventionellen Chemotherapie (und gegebenenfalls Bestrahlung) oder einer konventionellen Chemotherapie plus einer Therapie mit der weißbeerigen Mistel (Viscum album L.) behandelt wurden. Die Standardtherapie erhielten 108 der beobachteten Patienten, 50 Patienten wurden mit Chemotherapie und Mistelpräparaten behandelt. Die Forscher werteten die Daten zum Überleben der beobachteten Patienten statistisch aus. Dabei zeigte sich, dass das durchschnittliche Überleben bei den Patienten, die Mistelpräparate erhielten, bei 17 Monaten lag, dass der Patienten ohne Mistelbehandlung bei acht Monaten. Auch betrachtet auf die Überlebensrate nach einem und nach drei Jahren schnitt die Gruppe mit der Mistelbehandlung im Mittel statistisch gesehen besser ab.

Dr. med. Schad, Erstautor der Studie und Leiter des Onkologischen Zentrums am anthroposophischen Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe sieht in dem Ergebnis ein positives Signal für weitere Forschung in diese Richtung, räumt jedoch auch ein, dass es sich bei den Ergebnissen der Studie nur um eine Korrelation handelt. Einen echten Beweis für einen ursächlichen (kausalen) Zusammenhang zwischen einem längeren Überleben der Patienten und der Misteltherapie lieferte die Studie nicht.

DeutschesGesundheitsPortal

Original Titel: Overall survival of stage IV non-small cell lung cancer patients treated with Viscum album L. in addition to chemotherapy, a real-world observational multicenter analysis.