Stachelige Nachbarschaft

Ein Wissenschaftsteam weist Diphtherie-ähnlichen Krankheitserreger erstmals bei Igeln nach

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Igel sind als Kulturfolger häufig in der Nähe von Menschen anzutreffen. Diese Nähe ist für beide Seiten nicht nur nützlich, sondern birgt auch Gefahren. Straßenverkehr, Rasenmäher und Krankheitserreger bedrohen die stacheligen Insektenfresser. Einige dieser Krankheitserreger sind auch auf den Menschen übertragbar. Ein sorgsamer Umgang mit Wildtieren und das Einhalten von Hygienemaßnahmen minimiert jedoch die Ansteckungsgefahr.

Eine neue Studie, die unter Federführung des Nationalen Konsiliarlabors für Diphtherie (KL-Diphtherie) in Zusammenarbeit von fünf Landeslaboren und dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) entstand, konnte nun Corynebacterium ulcerans - einen engen Verwandten des Diphtherie-Erregers - auch bei Igeln nachweisen. Diphtherie ist eine bakterielle Infektionskrankheit der oberen Atemwege des Menschen.

„Die Ergebnisse sollen ein größeres Bewusstsein und die Verantwortung für unsere Nachbarschaft wecken“, erklärt Kristin Mühldorfer, Wissenschaftlerin in der Abteilung Wildtierkrankheiten des Leibniz-IZW. Wildtiere können auf Menschen übertragbare Krankheitserreger und Parasiten beherbergen oder selbst durch Infektionserreger von Mensch und Haustieren gefährdet sein. Ein sorgsamer Umgang bei der Pflege und allgemeine Hygienemaßnahmen sind nach Tierkontakten ratsam, wie das gründliche Waschen der Hände mit warmem Wasser und Seife oder einer Händedesinfektion.

Der respektvolle Umgang und Abstand zu Wildtieren ermöglichen ein sicheres Zusammenleben auch bei engen Mensch-Tier-Kontakten. Geschwächte, kranke oder verletzte Wildtiere sollten grundsätzlich nur von erfahrenen Personen angefasst und gepflegt werden, die ausreichende Kenntnisse und erforderliche Genehmigungen besitzen. Bei Verdacht einer bakteriellen Infektion besteht auf Nachfrage die Möglichkeit, Wildtierproben in den beteiligten Landeslaboren oder dem Leibniz-IZW untersuchen zu lassen. Bestätigte Corynebacterium Isolate können nach Absprache am KL-Diphtherie in Oberschleißheim charakterisiert werden.

Kontakt der beteiligten Institute

Dr. Anja Berger & Prof. Dr. Dr. Andreas Sing Fachärztin/-arzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie Konsiliarlabor für Diphtherie Bayrisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Oberschleißheim

E-Mail: anja.bergerNO SPAM SPAN!@lgl.bayern.de; andreas.singNO SPAM SPAN!@lgl.bayern.de

Dr. Martin Peters

Fachtierarzt für Pathologie und Mikrobiologie Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Westfalen, Standort Arnsberg

E-Mail: Martin.PetersNO SPAM SPAN!@cvua-westfalen.de

Dr. Kristin Mühldorfer

Fachtierärztin für Mikrobiologie

Abteilung Wildtierkrankheiten des Leibniz-IZW, Berlin

E-Mail: muehldorferNO SPAM SPAN!@izw-berlin.de

Dr. Silke Braune

Fachbereich Bakteriologie, Mykologie und Parasitologie Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES)

Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover (LVI BS/H)

E-Mail: silke.brauneNO SPAM SPAN!@laves.niedersachsen.de

Dr. Tobias Eisenberg

Fachtierarzt für Mikrobiologie

Fachgebiet bakteriologische und mykologische Diagnostik Landesbetrieb Hessisches Landeslabor (LHL), Gießen

E-Mail: Tobias.EisenbergNO SPAM SPAN!@lhl.hessen.de

Dr. Jörg Rau

Abteilung Tierische Lebensmittel

Expertise für MALDI-TOF MS und FT-IR

Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart (CVUAS), Fellbach

E-Mail: Joerg.RauNO SPAM SPAN!@cvuas.bwl.de

 

(idw) Forschungsverbund Berlin e.V., Saskia Donath

 

Originalpublikation: Berger A, Dangel A, Peters M, Mühldorfer K, Braune S, Eisenberg T, Szentiks CA, Rau J, Konrad R, Hörmansdorfer S, Ackermann N, Sing A (2019):

Tox-positive Corynebacterium ulcerans in hedgehogs, Germany, Emerging Microbes & Infections, 8:1, 211-217, DOI: 10.1080/22221751.2018.1562312