Sterben im Krankenhaus

Rückläufiger Trend, aber nicht für alle

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In vielen Ländern nimmt der Anteil derer, die im Krankenhaus sterben, seit Jahren ab. Bisher dachte man, dass dies für alle Altersgruppen gilt. Eine neue Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung hat ergeben, dass sehr alte Menschen eine traurige Ausnahme bilden.

Ihre letzten Stunden möchten die meisten Menschen zu Hause verbringen – und nicht im Krankenhaus, wie es heute oft noch der Fall ist. Die Trendwende ist eingeleitet, wie eine neue Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock zeigt. Demnach sinkt seit Jahren der Anteil der Menschen, die in einer Klinik sterben. Ausgenommen von dieser Entwicklung sind jedoch alte Menschen ab 80 Jahren.

In ihrer Studie zeichnen die Wissenschaftler um Angela Carollo die Entwicklung der Krankenhaussterblichkeit in Dänemark zwischen 1980 und 2014 nach. Zu diesem Zweck analysierten sie Statistiken zu allen Frauen und Männer ab 50 Jahren, die in diesem Zeitraum starben. Nach Auswertung von insgesamt rund 1,8 Millionen Datensätzen ergab sich folgendes Bild: Während 1980 insgesamt 56 Prozent der Männer in der Klinik starben, waren es 2014 nur noch 44 Prozent; bei den Frauen sank der Anteil im gleichen Zeitraum von 49 Prozent auf 39 Prozent.

Den größten Rückgang verzeichneten die Forscher bei den 50- bis 59-Jährigen: Während 1980 zwei Drittel aus dieser Altersgruppe in einer Klinik starben, waren es 2014 weniger als die Hälfte. Der rückläufige Trend setzt sich demnach bis zum Alter von 79 Jahren fort und kommt bei den 80- bis 89-Jährigen zum Stillstand. In der letztgenannten Gruppe sterben heute rund 40 Prozent im Krankenhaus – ein Anteil, der sich seit 1980 kaum verändert hat. Was die Forscher überrascht, ist ein deutlicher Anstieg bei den über 90-Jährigen: Der Anteil der Todesfälle im Krankenhaus erhöhte sich bei den Männern dieser Altersgruppe um fünf Prozentpunkte auf 32 Prozent, bei den Frauen um sechs Prozentpunkte auf 24 Prozent.

In der alten Bundesrepublik Deutschland erreichte der Anteil der Krankenhaussterbefälle im Jahr 1980 mit 55 Prozent aller Todesfälle einen Höchstwert, um 2016 für ganz Deutschland auf 46 Prozent zu sinken. „Auf diesem Niveau verharrt der Anteil hierzulande seit Jahren“, sagt Angela Carollo.

Die Studie zeigt auch, dass Personen mit mittlerem und hohem Einkommen eher gefährdet sind, im Krankenhaus zu sterben als Bezieher niedriger Einkommen. Wo ältere Menschen sterben, hängt zudem stark davon ab, ob sie verheiratet sind oder nicht. Im Durchschnitt sterben mehr verheiratete Menschen im Krankenhaus als Unverheiratete, doch bei den über 90-Jährigen trifft es zunehmend die Unverheirateten. Risikosteigernd seien darüber hinaus mehrere Krankenausaufenthalte binnen eines Jahres, sagt Angela Carollo und fügt hinzu: „Umgekehrt dürfte das Vermeiden langer Krankenhausaufenthalte, wie es seit Jahren üblich ist, zu weniger Sterbefällen auf den Stationen geführt haben.“

Max-Planck-Institur für demografische Forschung

Originalpublikation: Angela Carollo et. Al Trends in hospital deaths in Denmark from 1980 to 2014, at ages 50 and over. Journal of the American Geriatrics Society (2018)