Stiftung: Naturheilkunde noch immer von der Politik ignoriert

Naturheilkundeverfahren werden trotz ihrer belegbaren Wirksamkeit noch immer von der Politik ignoriert. Zweifeln an ihrer "Wissenschaftlichkeit" begegnet Dr. Henning Albrecht, Geschäftsführer der Karl und Veronica Carstens-Stiftung, mit statistisch und empirisch signifikanten Fakten zur Naturheilkunde.

Dr. Henning


Laut Studien der Bertelsmann Stiftung und Allensbach-Umfragen befürworten heute  drei von vier Bundesbürgern Formen der Naturheilkunde. Während immer mehr Bundesbürger auf die Wirksamkeit naturkundlicher Heilverfahren vertrauen (1970: 52 Prozent; 2010: über 75 Prozent), ließ das Engagement der Politik dafür nach ersten Initiativen in den siebziger bis neunziger Jahren deutlich nach. Seit 1996 wurde für naturheilkundliche Verfahren keinerlei Forschungsförderung mehr gewährt.

Der 1989 gegründete, erste und einzige ordentliche Lehrstuhl für Klinische Naturheilkunde in Berlin wurde abgeschafft und 2002 durch eine Stiftungsprofessur von Prof. Dr. med. Andreas Michalsen in der Abteilung Naturheilkunde des Immanuel-Krankenhauses ersetzt. Stiftungsprofessuren zur Naturheilkunde entstanden u. a. in Essen, Duisburg, Rostock und Heidelberg.

In den jüngsten zehn Novellen des Arzneimittelgesetzes (AMG) blieben naturheilkundliche Wirkstoffe ausgespart, während das AMG 1976 bereits „Arzneimittel der besonderen Therapieeinrichtungen“ anerkannte, berichtete Dr. Albrecht u. a. bei der Patientenuniversität der Berliner Charité. Seit der 7. Novelle zur ärztlichen Approbationsordnung von Dezember 1989 gehören "Grundlagen, Möglichkeiten und Grenzen von Naturheilverfahren und Homöopathie" zu den verpflichtenden Lehrinhalten des Medizinstudiums. Die zehnjährige  Forschungsförderung für „Unkonventionelle Medizinische Richtungen“ endete 1996.

Derzeit erstatten nur einige wenige gesetzliche Krankenkassen die Anwendung naturheilkundlicher Verfahren wie Akupunktur oder Homöpathie, um sich angesichts einheitlicher Versicherungsbeiträge und weitgehend einheitlicher Leistungen in den Augen der Versicherten positiv von der Konkurrenz abzuheben.

Für die Wiedereinführung der Erstattungsfähigkeit von Naturheilmitteln für Erwachsene durch die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) macht sich der Verein Natur und Medizin e. V. stark. Dies belaste die GKV nur mit weniger als 1,5 Prozent ihrer Gesamtausgaben für Arzneimittel von aktuell 27,1 Milliarden Euro (2011), lasse aber signifikante Einsparungen erwarten.

Ansonsten hat der Verein die Bundespolitik aufgefordert, dem amerikanischen Vorbild zu folgen und die Naturheilkunde-Forschung wieder zu fördern. Selbst im  ansonsten als wenig vorbildlich geltenden US-Gesundheitssystem gelang es, die Forschungsprogramme zu naturheilkundlichen Verfahren mit jährlich insgesamt 296 Millionen US-Dollar (ca. 232 Mio. Euro) zu unterstützen. Die nationale Behörde für Naturheilkunde (NCCAM) ist daran mit 122 Millionen Euro (ca. 96 Mio. Euro) beteiligt.

Einige Beispiele für die Wirksamkeit naturheilkundlicher Verfahren hat auch die Karl und Veronica Carstens-Stiftung überprüft und zusammengetragen: 

Arthrose-Therapie: Blutegel bei Arthrosen führen bei zwei von drei Patienten zu deutlicher Schmerzlinderung, die bei einem Drittel mehr als zwölf Monate anhält. Nutzen: Einsparungen von Schmerzmitteln wie nichtsteroidalen Antirheumatika (Voltaren, Ibuprofen, Acoxia etc.), 11.000 Krankenhauseinweisungen weniger im Jahr und 2000 Todesfälle weniger im Jahr.

Unerfüllter Kinderwunsch: Laut „Heidelberger Studien“ ist die  Schwangerschaftsrate bei Frauen, die sich einer In-Vitro-Fertilisation (IVF) unterziehen oder eine homöopathische Lösung wählten, gleich. Jedoch werden nach Homöopathie-Einsatz mehr gesunde Kinder geboren als bei IVF-Anwendung.
Kostenvorteil: Drei Versuche einer In-Vitro-Fertilisation (IVF) kosten sowohl die Patientin als auch die gesetzliche Krankenversicherung je 4.500 Euro, eine homöopatische Therapie die Patientin 20 Euro, die GKV 198 Euro.

Weniger MRSA-Infektionen: Würden in der Tierzucht insbesondere von Schweinen und  Hühnern weit weniger Antibiotika eingesetzt, könnte auch die Infektion von Klinikpatienten mit dem Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) signifikant zurückgehen. Der extrem hohe Antibiotika-Einsatz in der bundesdeutschen Tierzucht trotz EU-Verbots der präventiven Antibiotika-Beimischung in Futtermittel von 2006 gilt als eine der möglichen Ursachen der vermehrten Antibiotika-Resistenzen bei Menschen.
Aktuell infizieren sich 40.000 bis 5000 Patienten alljährlich in deutschen  Klinikbetten oder auf deutschen OP-Tischen mit MRSA. Für etwa 700 bis 1.500 Klinikpatienten endet die Infektion jedes Jahr tödlich. (ul)