Weidetiere im Weinbau

WinzerInnen am Kaiserstuhl erhalten tierische Unterstützung: 35 Schafe werden künftig als Teil eines Forschungsprojekts auf Rebflächen nahe Freiburg weiden.

© Patrick Seeger


Das Projekt „Win-Win-im-Weinberg (W³) – Innovatives, ökologisches und ökonomisches Weinbergmanagement mit extensiver Schafbeweidung“ erforscht, inwieweit sich Weidetiere als weinbauliche und naturschutzfachliche Hilfe eignen. In dem Projekt kooperieren die Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg, die Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen und die Abteilung Geobotanik der Universität Freiburg sowie das Staatliche Weinbauinstitut Freiburg. Auf Grundlage der Forschungsergebnisse werden die Projektpartner künftig anwendungsbezogenes Wissen an Winzer vermitteln.

Am 25. Juli 2019 haben die MitarbeiterInnen der beteiligten Forschungseinrichtungen Dr. Andre Baumann, Staatssekretär des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, erste Versuchsparzellen unter anderem mit Ouessant-Schafen auf Flächen der Resistenz- und Klonenzüchtung des Staatlichen Weinbauinstituts in Freiburg vorgestellt. Für den Weinbau stellt unter anderem die Begleitvegetation eine ständige Herausforderung dar – sie konkurriert mit den Reben um Wasser und Nährstoffe. Die Winzer müssen die Pflanzen daher mehrmals im Jahr maschinell oder chemisch zurückdrängen. Für die meisten Insekten ist eine solche Umgebung kein geeigneter Lebensraum. Für die Winzer ist außerdem das Entfernen unerwünschter Triebe in Bodennähe und die händische oder maschinelle Entblätterung der Reben eine aufwändige Arbeit, die durch den üblichen Anbau in Hanglagen zusätzlich erschwert wird. Die Beweidung mit Schafen könnte hier Abhilfe schaffen: Sie führen unter anderem zu einer Aufwertung des Lebensraums, fördern ein gutes Bodenleben und helfen, den Wuchs anderer Pflanzen zu kontrollieren. Bisher gibt es jedoch keine angewandte Forschung zum Einsatz der Tiere, und den Winzern fehlen deshalb konkrete Handlungsempfehlungen.

• Dr. Andre Baumann, Staatssekretär des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, zu dem Projekt: „Erstmalig gibt es ein Vorhaben auf dem Gebiet der angewandten Forschung, das Weinbau und Weidetierhaltung zusammenbringt. Weinbergmanagement mit extensiver Schafhaltung ist ein innovativer, ökologischer und ökonomischer Ansatz. Das große Interesse der Winzer an dem Projekt zeigt den Bedarf an neuen, ökologisch verträglichen Methoden, die die Umwelt schonen und die Biodiversität fördern können.“

• Nicolas Schoof, Mitinitiator und Doktorand an der Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen der Universität Freiburg, zu dem Projekt: „Die stärkere Berücksichtigung von Schafen in deutschen Weinbergen scheitert vor allem an eindeutigen Handlungsanleitungen und Informationen. Wir werden in naher Zukunft passgenaue Umsetzungsstrategien für unterschiedliche Weinbausysteme liefern, bei denen voraussichtlich auch Schäfereien eine wichtige Rolle spielen werden.“

(idw) Nicolas Scherger, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Originalpublikation: www.pr.uni-freiburg.de/pm/2019/weidetiere-im-weinbau?set_language=de