Buntes Madagaskar

Madagaskar ist ein Paradies für Chamäleons: Mehr als 40% der 206 bekannten Arten leben ausschließlich dort. Nun wurden drei neue Arten entdeckt.

Wirbt ein Männchen von Calumma uetzi (li.) mit bunter Prachtfärbung um ein paarungsunwilliges Weibchen (re.)


Die Artenvielfalt Madagaskars ist einzigartig. Mehr als 420 verschiedene Reptilienarten sind von der großen Insel vor der ostafrikanischen Küste bereits bekannt, doch die Regenwälder bergen noch so manche Überraschung: Bei einer Expedition der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) in ein abgelegenes Waldgebiet in Nord-Madagaskar entdeckten die Forscher das spektakulär gefärbte Regenbogenchamäleon Calumma uetzi. Seine volle Farbenpracht, die sich von der aller anderen Chamäleonarten sehr deutlich unterscheidet, entfaltet sich aber erst, wenn beide Geschlechter aufeinandertreffen. Dann versucht das Männchen dem Weibchen mit einem knalligen Muster aus gelb, violett und rot zu imponieren. Ist das Weibchen nicht paarungswillig, droht es dem Männchen mit aufgerissenem Maul und „ärgert“ sich fast schwarz.

Eine weitere Chamäleonart, Calumma juliae, fanden die Forscher in einem völlig isolierten Waldfragment mit einer Fläche von nicht einmal 15 ha. Bisher sind von dieser Art trotz intensiver Suche nur weibliche Tiere bekannt.

Nur ein einzelnes Männchen wurde von der dritten neuen Art, Calumma lefona, entdeckt. Bei röntgentomografischen Untersuchungen (Mikro-CT-Scans) fiel den Forschern ein großes Loch im Schädeldach auf, das ausgerechnet direkt über dem Gehirn liegt. Ein solches Schädelloch zeigte sich nicht nur bei dieser neuen Spezies, sondern auch bei sechs weiteren Calumma-Arten, die alle in den Bergen in Höhen von mindestens 1000 m über dem Meeresspiegel leben. Der biologische Sinn dieser Schädelfenster ist noch ein Rätsel, vielleicht helfen sie den Chamäleons aber bei der Thermoregulation.

„Nach aktuellem Wissensstand haben alle drei neuen Chamäleonarten nur ein sehr kleines Verbreitungsgebiet und leben in Regenwäldern, die stark von Abholzung betroffen sind“, sagt Dr. Frank Glaw, Reptilienforscher an der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM), „aber derzeit werden in Madagaskar viele neue Schutzgebiete eingerichtet, die sicherlich helfen werden, Madagaskars einzigartige Artenvielfalt zu erhalten.“

 

(idw) Dr. Eva-Maria Natzer Öffentlichkeitsarbeit

Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns 

Prötzel, D., Vences, M., Scherz, M.D., Hawlitschek, O., Ratsoavina, F. & Glaw, F. (2018). Endangered beauties: Micro-CT osteology, molecular genetics and external morphology reveal three new species of chameleons in the Calumma boettgeri complex (Squamata: Chamaeleonidae). – Zoological Journal of the Linnean Society. https://doi.org/10.1093/zoolinnean/zlx112