Doppeltes Glück durch Einfrieren des Eierstockgewebes

Erhalt des Kinderwunsches: Neue Gewebebank „UniCareD“ komplettiert Versorgungsangebot an der Düsseldorfer Uniklinik

Über Marlon und Leon freuen sich Prof. Dr. Tanja Fehm + Dr. Jana Liebenthron + Marion Ulrich und Ehemann Jochen sowie Prof. Dr. Jan Krüssel (v.l.). © UKD/Kesting


Für Marion Ulrich sind Marlon und Leon das „Schönste auf der Welt“. Am 23. Januar kamen ihre Zwillinge in Düsseldorf gesund auf die Welt. 2010 hatte sich die heute 33-Jährige Eierstockgewebe in der Frauenklinik des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD) vor einer Chemotherapie entnehmen und einfrieren lassen. 2016 wurde ihr das Gewebe auch dort wieder transplantiert. Wenige Monate später wurde sie auf natürlichem Weg schwanger. Damit konnte die erste spontane Zwillingsgeburt in NRW nach einer natürlichen Schwangerschaft infolge des Verfahrens, das auch als „medical freezing“ bekannt ist, ermöglicht werden. Im gesamten deutschsprachigen Raum ist es zudem die erste Schwangerschaft und Geburt nach einem solchen Verfahren bei einer Patientin, die wegen einer rheumatischen Erkrankung behandelt werden musste.

Prof. Dr. Jan Krüssel, Leiter des Kinderwunschzentrums UniKiD am UKD, gibt einen Überblick zum Fertilitätserhalt: „Die Kryokonservierung von Eierstockgewebe wird derzeit in Deutschland pro Jahr in etwa 500 Fällen durchgeführt. Dies entspricht ca. 20 bis 25 % aller durchgeführten fruchtbarkeitserhaltenden Therapien im onkologischen Bereich – mit jährlich steigender Tendenz.

Die Entnahme und das Wiedereinsetzen des Eierstockgewebes ist eine Methode, von der auch heranwachsende Mädchen und Frauen, die im Rahmen einer Krebserkrankung behandelt werden, profitieren können. „Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Patientinnen entsprechend reproduktionsmedizinisch beraten werden können“, so Prof. Krüssel.

Im Gegensatz zu den männlichen Keimzellen, welche stets durch Stammzellen neu gebildet werden, befinden sich alle Keimzellen der weiblichen Patientin bereits zum Zeitpunkt der Geburt in den Eierstöcken und werden später nicht neu gebildet. Ist eine Therapie mit einer möglichen Schädigung von Keimzellen notwendig, dann besteht ein erhebliches Risiko der Einschränkung bis hin zum vollständigen Verlust der Fruchtbarkeit. Das genaue Ausmaß der Beeinträchtigung des Eierstockgewebes ist dabei nicht exakt vorhersagbar und hängt im Einzelfall von verschiedenen Faktoren ab, wie z. B. dem Alter zum Behandlungszeitpunkt, der Eierstockreserve und dem zur Behandlung eingesetzten Medikamententyp und der -dosis. „Nach dem Einfrieren kann das Gewebe unbegrenzt gelagert werden und nach Bewältigung der Erkrankung wieder aufgetaut und übertragen werden“, so Dr. Jana Liebenthron, Leiterin von „UniCareD“, die von Bonn an die Düsseldorfer Uniklinik wechselte.

Nach einer aktuellen Registerauswertung zur Transplantation von kryokonserviertem Eierstockgewebe wurden bis Februar 2018 im Netzwerk 163 Transplantationen bei 126 Patientinnen dokumentiert. Daraus resultieren bis jetzt 31 Schwangerschaften (fünf nach künstlicher Befruchtung, der Rest spontan) bei 23 Patientinnen und 26 Geburten, davon zwei Zwillingspärchen. Marlon und Leon sind eines dieser Pärchen.

idw/ Stefan Dreising Stabsstelle Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Düsseldorf

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