Kinder vor Zuckerbomben schützen

Ernährungsexperten fordern Steuererhöhung auf Softdrinks in Deutschland

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Würden Sie Ihrem Kind täglich zwei Handvoll Gummibärchen geben? Besser nicht. Aber so viel Zucker, wie darin enthalten ist, nehmen 11- bis 17-Jährige in Deutschland durchschnittlich täglich durch Softdrinks auf. Großbritannien unternahm nun etwas gegen die flüssigen Kalorienbomben: Seit April wird dort auf Softdrinks eine Herstellerabgabe erhoben. Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) fordert eine ähnliche Maßnahme auch für Deutschland, um den hohen Softdrink-Konsum zu senken.

Die britische Softdrink-Abgabe beträgt 18 Pence (20 Cent) pro Liter, wenn das Getränk 5 g oder mehr Zucker pro 100 ml enthält. Ab 8 g Zucker steigt sie auf 28 Pence (32 Cent). Die Maßnahme zeigte bereits Wirkung: Mehrere Hersteller haben den Zuckergehalt in ihren Produkten deutlich gesenkt. Dass eine Abgabe auch den Konsum bremst, beweist Berkeley/Kalifornien, wo die Regelung schon länger existiert: Der Absatz von Softdrinks sank um bis zu 21 % – ein großer Gewinn für die Gesundheit der Konsumenten.

In Deutschland hingegen liegt der Konsum von Softdrinks weiter auf hohem Niveau. 11- bis 17-Jährige trinken im Durchschnitt täglich über 300 ml Cola, Fanta oder Ähnliches, das entspricht 30 Gramm Zucker. „Mit Appellen an die Eltern ist dieser Trend nicht aufzuhalten“, sagt Kinder-und Jugendarzt PD Dr. med. Burkhard Rodeck, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin., „hier ist die Politik gefordert.“ Projekte zu gesunder Ernährung in Schulen reichen in keiner Weise, um den riskanten Trend zu stoppen: „Wir brauchen Maßnahmen, die dauerhaft sind und die ganze Bevölkerung erreichen.“

Die Experten fordern, in Deutschland den Mehrwertsteuersatz für Softdrinks von derzeit 19 % auf 29 % anzuheben. Für ungesunde Produkte, wie Fertigpizzas sollte der Satz auf 19 % statt momentan 7 % steigen. Im Gegenzug sollten dafür Obst und Gemüse gänzlich von der Mehrwertsteuer befreit werden. Eine Studie der Universität Hamburg hatte berechnet, dass der Anteil stark übergewichtiger Menschen dadurch nicht weiter ansteigen, sondern bei Männern um circa 8 % und bei Frauen um 3 % sinken würde.

Weltweit ergreifen viele Industrieländer bereits politische Maßnahmen gegen Übergewicht. Doch in Deutschland scheitern diese vor allem am Lobbyismus der Lebensmittelindustrie. Die neue Bundesregierung hat nun im Koalitionsvertrag eine „nationale Strategie zur Reduzierung von Übergewicht vor allem bei Kindern und Jugendlichen“ angekündigt.

beilit / Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten

Effertz, Tobias (2017): Die Auswirkungen der Besteuerung von Lebensmitteln auf Ernährungsverhalten, Körpergewicht und Gesundheitskosten in Deutschland, Universität Hamburg (http://kurzelinks.de/steuerstudie)