Manche machen es einfach mit links

Händigkeit ist angeboren

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Linkshänder haben es oftmals schwer, denn in der Regel ist das tägliche Leben, Lernen und Arbeiten auf Rechtshänder ausgerichtet. Warum Umschulen aber keine Alternative ist und was Eltern beachten sollten, wenn das Kind es lieber mit links macht, erläutert Dr. Dieter Bonitz, Diplom-Psychologe im AOK-Bun­desverband.

"Nimm doch die rechte, die gute Hand!", hieß es oft in der Kindheit. Linkshändigkeit war lange Zeit verpönt, noch heute gilt es als "normal", Rechtshänder zu sein. Linkshänder sind tatsächlich in der Minderheit, Schätzungen zufolge macht ungefähr jeder zehnte Mensch alles mit links. Vielleicht sind es jedoch viel mehr, denn unter den Befragten befinden sich immer auch einige ursprünglich linkshändige Menschen, die als Kind umgeschult wurden.

"Die Händigkeit ist angeboren, dabei scheint die Genetik eine Rolle zu spielen", erklärt  Dr. Bonitz. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Linkshänder-Paar ein linkshändiges Kind bekommt, liegt bei 50 % - während bei zwei Rechtshändern die Wahrscheinlichkeit auf 2 % schrumpft.

Linkshänder-Beraterinnen und -Berater gehen davon aus, dass ein Umlernen Folgen hat - selbst dann, wenn das linkshändige Kind sich an die Rechtshändigkeit seiner Umgebung von selber anpasst, was nicht selten geschieht. Die Expertinnen und Experten berichten von Gedächtnisstörungen, Konzentrationsproblemen, Lese- und Rechtschreibschwäche, feinmotorischen Störungen bis hin zu Minderwertigkeitskomplexen, Unsicherheit und Bettnässen. "Diese Probleme sind allerdings nicht immer auf eine Änderung der Händigkeit zurückzuführen", so AOK-Experte Bonitz. "Doch bereits bestehende Schwierigkeiten können durch eine Umschulung verstärkt werden."

Noch fehlt es an Studien, die die Folgen einer Umschulung unter die Lupe nehmen. Aus der Hirnforschung zumindest weiß man, dass das Gehirn dabei umlernen muss. Ausgangspunkt ist folgende Tatsache: Bei einem reinen Rechtshänder ist die linke Hirnhälfte dominant, bei einem Linkshänder die rechte. Eine Hirnhälfte ist also immer für die gegenüberliegende Körperseite verantwortlich, denn die Nervenbahnen laufen über Kreuz. Was passiert nun, wenn ein linkshändiges Kind den Stift immer in die rechte Hand nimmt? Vermutlich verlagert sich die Steuerung der Schreibbewegung von der rechten in die linke Hirnhälfte, wie es bei Rechtshändern auch der Fall ist. Planung und Koordination dagegen bleiben in der rechten Hirnhälfte wie bei nicht umgeschulten Linkshändern. Diese Hirnregionen waren dabei aber deutlich aktiver als bei reinen Linkshändern. Das Gehirn muss also mehr arbeiten. Ob das die Probleme zumindest teilweise erklären kann, ist aber nicht belegt. Sicher dagegen ist: "Es kann die Kinder belasten, wenn eine Umschulung unter einem gewissen Zwang geschieht", sagt Bonitz und rät dazu, dass das Kind seine Händigkeit möglichst frei entwickeln kann.

Wenn Eltern vermuten, dass das Kind Linkshänder ist, sollten sie zum Beispiel beim Essen den Löffel mittig platzieren, sodass sich das Kind, ohne beeinflusst zu werden, für die bevorzugte Hand entscheiden kann. „Ob ein Kind Links- oder Rechtshänder ist, zeigt sich meistens bis zum vierten Lebensjahr, bis zum Schuleintritt sollte die Händigkeit geklärt sein“, so Psychologe Bonitz. Falls nicht, bieten Beratungsstellen eine Händigkeitsdiagnose an. 

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Weitere Informationen: Erste deutsche Beratungs- und Informationsstelle für Linkshänder und umgeschulte Linkshänder Das - nach eigenen Angaben - größte deutsche Linkshänder-Forum