Richtiges Tragen fördert gesunde Entwicklung der Babyhüfte

Die Anhock-Spreizstellung hilft bei der Entwicklung der Hüften und entspricht der natürlichen Stellung im Mutterleib

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Bei der Anhock-Spreizstellung werden die Beine des Säuglings auseinandergespreizt und die Knie befinden sich angewinkelt auf Nabelhöhe. Die Oberschenkelknochen wirken in dieser Haltung mit ihren Hüftköpfen optimal auf die Hüftpfannen ein. Richtig gebundene Tragetücher und ausgewählte Tragehilfen unterstützen diese hüftfreundliche Haltung.

„Eine gesunde Hüfte im Kindesalter ist die Grundlage für ein schmerzfreies Leben im Alter“, sagt Prof. Dr. Dr. Werner Siebert, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU) und Ärztlicher Direktor der Vitos Orthopädische Klinik Kassel. Nach der Geburt ist die Kinderhüfte noch nicht fertig, sondern großenteils nur knorpelig vorgebildet. Sie ist deshalb in den ersten sechs Lebensmonaten sehr empfindlich. Bis zum Laufbeginn mit 18 Monaten ist sie sehr formbar. Bildet sich die Hüfte nicht richtig aus, dann liegt eine sogenannte Hüftdysplasie vor: Hüftkopf und -pfanne passen nicht optimal zusammen. Dabei wird der Hüftkopf nur zum Teil von der Pfanne überdacht – und nicht wie normalerweise in seiner gesamten Breite. In seltenen Fällen ist die Pfanne so schlecht entwickelt, dass sie den Hüftkopf nicht halten kann. Es kommt zur sogenannten Hüftluxation: Die Hüfte renkt aus.

Das Tragen der Kinder in der Anhock-Spreizstellung unterstützt die ordentliche Ausreifung der empfindlichen Babyhüfte. Umgekehrt kann das Tragen in Streckstellung mit zusammengedrückten Beinen die Hüftentwicklung verzögern und schaden. „Bei gestreckten Oberschenkeln wird die Pfanne an ihrer empfindlichsten und schwächsten Stelle belastet. Der knorpelige Anteil der unreifen Pfanne gibt nach. Sie wird verformt und dysplastisch“, sagt Professor Robert Rödl, 1. Vorsitzender der DGOU-Sektion „Vereinigung für Kinderorthopädie“ und Chefarzt der Abteilung für Kinderorthopädie, Deformitätenrekonstruktion und Fußchirurgie am Universitätsklinikum Münster.

Deshalb muss die Entwicklung der Hüfte unbedingt beobachtet werden. Entscheidend sind die rechtzeitigen U-Untersuchungen des „Gelben Heftes“. Dabei werden die Hüften von Kindern mit Risikofaktoren bereits bei der U2 innerhalb des dritten bis zehnten Lebenstages schonend mit Ultraschall untersucht. Alle anderen Kinder erhalten den Hüft-Ultraschall bei der U3 in der vierten bis fünften Lebenswoche.

(idw) Susanne Herda, Swetlana Meier Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V.