Schäden durch Alkohol in der Schwangerschaft: unheilbar und vermeidbar!

Heute ist der internationale Tag des alkoholgeschädigten Kindes

Die Babypuppe weist alle äußerlichen FASD-Merkmale auf


Das Datum mit der Doppel-Neun soll deutlich machen: „9 Monate schwanger heißt 9 Monate keinen Alkohol!“. In Deutschland greift laut einer kanadischen Meta-Studie jede vierte Schwangere gelegentlich zu Bier, Wein und Co. Über Fetale Alkoholspektrum-Störungen (FASD) sprachen wir mit Suchtexpertin Marianne Ammann, Fachlehrerin am Fachbereich Sozialwesen unserer Hochschule.

Frau Ammann, dass Schwangere keinen Alkohol trinken sollen, ist doch eigentlich allgemein bekannt. Warum kommen trotzdem jedes Jahr in Deutschland ungefähr 10.000 alkoholgeschädigte Babys zu Welt?

Die toxische Gefahr von Alkohol wird nach wie vor vielfach unterschätzt, und dabei ist Alkohol für Babys im Mutterleib sogar wesentlich schädlicher als zum Beispiel Heroin! Selbst Ärzte oder Hebammen verbreiten gelegentlich noch die Ansicht, dass ein Gläschen ab und an nicht schadet und gut sei, um etwa den Kreislauf anzukurbeln. Tatsächlich ist es aber so, dass schon geringe Mengen Alkohol beim ungeborenen Kind zu dauerhaften gesundheitlichen Schäden führen können. Es lässt sich absolut keine Grenze festlegen, bis zu welcher Trinkmenge der Konsum ungefährlich ist. Um ganz sicherzugehen, sollten Schwangere daher auf jeden Fall die gesamten neun Monate lang vollständig auf Alkohol verzichten!

Woran erkennt man, ob ein Kind Schäden davongetragen hat, weil die Mutter während der Schwangerschaft Alkohol konsumiert hat?

Alkoholgeschädigte Kinder zeigen vielfältige Symptome, die in unterschiedlicher Ausprägung auftreten können. Zu den körperlichen Anzeichen gehören Kleinwüchsigkeit, eine kurze Lidspalte und ein abgeflachtes Philtrum – das ist die Vertiefung, die sich von der Nase bis zur Mitte der Oberlippe zieht. Häufiger treten jedoch sozial-kognitive Auffälligkeiten auf, wie etwa geistige Behinderung, verminderte Lern- oder Merkfähigkeit, niedriger IQ, Aufmerksamkeitsstörungen oder Probleme im sozialen Verhalten.

Gibt es Therapien für alkoholgeschädigte Kinder?

Nein, leider sind durch Alkohol hervorgerufene Schäden unheilbar – und dabei zu 100 % vermeidbar! Natürlich lassen sich Feinmotorik oder Sprachstörungen durch gezielte moto- oder logopädische Förderung verbessern, aber eine geistige Behinderung ist nun mal nicht therapierbar. Tatsächlich sind FASD-Kinder vergleichbar mit Demenzerkrankten. Sie können sich Erlerntes einfach nicht merken oder vergessen es immer wieder aufs Neue.

Was muss sich ändern, um die Situation zu verbessern?

Die Prävention und Aufklärung über die Gefahren des Alkoholkonsums während der Schwangerschaft muss noch weiter verstärkt werden. In Frankreich muss zum Beispiel die Verpackung jedes alkoholischen Getränks den Hinweis enthalten, dass es schädlich für ungeborene Kinder ist. Hier in Deutschland weisen nur einige Getränkehersteller freiwillig darauf hin. Das Bewusstsein für die Gefährlichkeit von Alkohol in der Gesellschaft muss sich einfach ändern.

FH Münster University of Applied Sciences